Medtermine – Blog

24. Januar 2017
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„In Halbschuhen, die aber ganze Schuhe sind”

Peter Schmidt ist promovierter Geophysiker und IT-Experte, dem erst im Altern von 41 die Diagnose Aspergersydrom gestellt wurde. Das er „anders“ ist, das wusste er schon früher, doch er konnte sein anderssein nicht genauer beschreiben. Das hielt ihn nicht davon ab, das zu tun was er sich vorstellte. In seinen Büchern gibt er Einblicke in die für gesunde Menschen oft sonderbar erscheinenden Weltsicht, ob im Job oder aus der Sicht eines Kindes. Auch das Reisen gehört dazu. Im Buch „Der Strassensammler“ nimmt er uns auf seine Reisen rund um die Welt mit. Schon als Kind war ihm die Anreise per Auto lieber als das Urlaubsziel selbst. Die Strecke selbst ist sein Ziel. So nimmt er jetzt auch seine Reisen dazu, den Weg zu erkunden, die Straßen zu sammeln.

Was sprachlich auffällt, ist die Verwendung von Hauptwörtern, als Verben und  Steigerungsformen. Zur näheren Beschreibung oder auch Umschreibung eines anderen Zustandes einer Straße: z.B. “urlaubsautovolle Straße“ für “Stau auf der Autobahn“. Ein paar Beispiele: „horizontweite Eiswüste“ oder „sichelbuchtige, postkartenkitschige, kokospalmiger Sandstrand“, oder “kuhglockende Berge“ oder das „Stracciatella-Schneefeld“ für ein Schneefeld mit herausstehenden Steinen und Geröll. Unzählige solcher Formulierungen finden sich im Buch.
Was anfangs irritierend zu lesen ist, obwohl, es sind schöne Analogien dabei und ich hab mich schnell daran gewöhnt.

Manche Beschreibungen kommen auch seltsam bekannt vor, wahrscheinlich nicht nur mir: „.. Ich schaffe es, die stressigen Flughäfen, die ich wie die schmerzvolle Geburt einer hoffentlich tollen Fernreise empfinde, zu überleben…“ oder etwas verpasst zu haben wenn man mit dem Flugzeug anreise. Ja klar, die Strecke selbst kann im Flugzeug nicht wahrgenommen werden. Eigentlich ein Verlust…

Peter Schmidt zeigt, dass Reisen als Autist durchaus möglich ist, mit viel Vorbereitung. Er schildert von Schwierigkeiten, einen Rucksack zu packen, da ihm die Auswahl der Kleidung an seine Grenzen bringe während es einfach für ihn sei, Routen zu planen und Berge zu erwandern. Unvorhergesehenes zu begegnen erfordert eine gute Selbstreflexion um zur richtigen Zeit die passende Unterstützung seiner Mitreisenden zu erhalten, lässt aber sicher auch so manch ratlosen oder verwunderten Menschen zurück. Aber was macht das schon….

Anmerkung:
Das Buch wurde von Buchcontact.de als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.
Zu kaufen ist es als klassisches Buch (ISBN 978-3-8436-0832-9) und als E-Book (978-3-8436-0833-6)
www.patmos.de

 

 

14. November 2016
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Gesundheit im Dialog 2016

Utl. Health Literacy – Fördert unser Gesundheitsystem Gesundheitskompetenz?
Am 10 November 2016 war es wiedermal so weit. Pünktlich am Vortag des Apfels findet die alljährliche Veranstaltung in den Räumlichkeiten der Industriellenvereinigung in Wien statt.
Neben der Keynote von Fred Harms, Vize-Präsident der Europäischen Stiftung für Gesundheit, Zürich, und Leiter des Instituts für Gesundheitskommunikation und Versorgungsforschung an der Sigmund- Freud-Universität Wien waren unter anderem Gerald Bachinger, NÖ Patientenanwalt, Ulrike Rabner-Koller und Herwig Ostermann geladen um sich dem Thema anzunähern.
Sehr anschaulich statuierte Fred Harms in seiner Keynote was die Mängel der heutigen Versorgung chronisch Kranker denn so seien. Seiner Meinung nach gehe es nicht darum jeden Laborwert genau zu kennen oder auf den unzähligen Internetseiten herauszufinden, sondern darum, dass Patienten wissen wollen wie sie in den nächsten Wochen ihr Marmeladeglas aufbekommen. Es gehe um ein grundsätzliches Verständnis für die Einstellungen, Sorgen und Bedürfnisse der Erkrankten im hier und jetzt, im Alltag.
Fred Harms nahm abschließend noch zur Diskussion Stellung, die seiner Meinung nach  gar nichts mit dem gestellten Thema zu tun hätte. Leider war dann die Zeit knapp…..
Eine Zusammenfassung der Veranstalter findet sich in einer  OTS-Aussendung.
Etwas älter schon, jedoch nicht minder aktuell: Fred Harms: Gesundheit in der Krise

 

24. Oktober 2016
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Fundstücke

Auch Zufälle führen zu Messebesuchen, nämlich zum Besuch auf der Lebenslust-Messe in Wien. Denn, wer vermutet denn schon hinter diesem Titel eine geballte Ladung Aussteller zum Thema Senioren und alles drum herum? Gut, dass es Twitter gibt und so driftet ein Tweet bei mir herein, der mich neugierig machte:


Jede Menge Reise-, Gesundheits-, und Sicherheitsangebote erwarteten mich in der Halle des Messegeländes Wien Ja und die nvermeidlichen eher sonderbar anmutenden “Geschenke” gegen die Bekanntgabe der eigenen Adresse. Scheint immer noch zu funktionieren, denn am Würstelstand eines Reiseveranstalters  und auch an so manch anderem Stand war reger Betrieb…. Adressen sind also was wert, ob das die Teilnehmer auch so sehen oder ob die nur auf das Gratis-Goodie aus sind? Die Post wirds freuen, wenn wieder jede Menge Werbematerial verschickt wird 😉

Für die Gesundheit wurde ebenfalls viel angeboten. Die Aktiv-Bühne zeigte Turnübungen und jede Menge kleine Fitnessgeräte gabs an diversen Austellungsständen zu bestaunen. Nach der vielen Action beim herumgehen folgt natürlich die Labung an diversen Essständen. Oder sich massieren lassen und sich über die neuesten Wunderpflanzen mit viel Vitamin als Tee, Körperbutter, Gewürz etc. informieren. Was es nicht alles gibt… 😉 Dennoch, rundum recht informativ gestaltet, nicht zu viel Ramsch und – es war Freitag Mittag – noch nicht allzu überlaufen. Infoständer der Stadt Wien, der Polizei, Pflegeheime, Rotes Kreuz und so manch andere waren natürlich auch vertreten. Nicht zu vergessen ein paar touristische Angebote, Kleidung und der Jahreszeit entsprechend, Hüte.

Leider haben mir diverse Helferlein im Alltag doch etwas gefehlt, außer Badewannen mit Tür und Sicherheitseinrichtungen für Wohnungen war der Pflegehilfsmittelbedarf doch eher weniger vertreten, ebenso Lesehilfen. Gewundert hat mich, dass auch Ärzte einen Stand betreiben dürfen und so für ihre medizinische Leistung werben dürfen. hm.?

Und wenn das schon eine Austellerin sagt 😉

Da mich ja Twitter resp. die @Wild_Urb neugierig gemacht hat hab ich sie natürlich auf ihrem Stand besucht. Sie hat sich spontan zur Verfügung gestellt und mir noch schnell ein paar Worte zukommen lassen:

 

 

Nachschlag: Wie es sich für Wiener gehört, so bleiben Kommetare zum natülich nicht aus. @Wild_Urb hat einige davon gesammelt:

 

 

 

Anmerkung: Dieser Bericht ist nicht gesponsert.

 

21. Oktober 2016
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Digital Medtech

Wiedereinmal habe ich die Reise von Wien nach Linz gewagt. Zugegeben seit der neuen Verbindung Hauptbahnhof Wien nach Linz in nur 1h14min keine wirkliche Weltreise mehr. Das schafft man manchmal innerhalb Wiens auch..

Ziel der Reise: Das Ars Electronika Center Linz in dem der Medizintechnik Cluster Oberösterreich in Zusammearbeit mit dem IT Cluster die Veranstaltung „Digital Medtech – be inspired“ zur Zusammenkunft gerufen hatte.

Nach erfreulich kurz gestalteten einführenden Worten waren einige Vorträge am Programm.
Was ist hängen geblieben?

Medizintechnik boomt, kommt aber ohne IT nicht mehr aus, daher gibt es von allen Seiten Bestrebungen sich zu vernetzen. Branchenfremde Unternehmen drängen ebenso auf den Markt um ihr Glück im Bereich Medizin zu versuchen. Viel Glück, kann man nur sagen (ohne Wertung).

Wie aus Kundenanwendungen brauchbarer Nutzen entsteht zeigte ein Unternehmen mit 3D Druck. Eine blinde Mutter kann ja die Ultraschallbilder ihres ungeborenen nicht sehen. Der 3D Druck macht es möglich. Hier ein Artikel dazu:

Blind Mother Can “See” Her Baby’s Ultrasound Thanks to 3D Printing Technology

Zellanalysen gehören seit eh und je zur medizinische Praxis und vor allem Forschung. Und gehört so nebenbei zu den visuell auch recht ansprechenden Tätigkeiten. Wie man allerdings durch Einsatz von Algorithmen diese Zellanalysen optimieren kann, stellte ein Team des Ludwig Boltzmann Institutes für experimentelle & klinische Traumatologie in Zusammenarbeit mit einem Unternehmen vor.

Und auch die Kinoindustrie schlägt in Sachen Digitalsierung der Medizintechnik zu. Im Deep Space 8K im Ars Electronika Center können seit kurzem Linzer Medizinstudenten die Basisanatomievorlesung in 3D bestaunen. Der Hintergrund: CT und MRT Bilder werden fotorealistisch dreidimensional visualisiert, der Fachbegriff dazu ist „Cinematic Rendering“.

Detail am Rande: Klaus Engel vermutete in seinem Vortrag, dass sogar die Beatles zur Entwicklung der CTs beigetragen hätten. Diese waren bei EMI unter Vertrag und der erste kommerziell erhältliche CT Scanner wurde von
Sir Godfrey Hounsfield in Hayes, Großbritannien am EMI Central Research Laboratories entwickelt und am 1. Oktober 1971 im Atkinson Morley Hospital in Wimbledon, England, aufgestellt.
Wer weiß … 😉

Quelle: Vortrag und Wikipedia:

Eine kurze Zusammenfassung mit Fotos gibt es auf der Seite des MTC

Zum Abschluss noch ein, wie ich meine recht gut getroffenes Zitat, mit der Anmerkung, dass man in Sachen IT Standardisierung (CDA; HL7 etc) vielleicht zeitlich gesehen gar nicht so schlecht unterwegs sein. So sagt Stefan Sauermann singemäß: Wir haben es noch nicht geschafft die Steckdosen der Welt zu standardisieren, und da war bisher mehr Zeit.

Ein paar Reiseeindrücke  gibts natürlich auch auf dem Medtermine-Instagram-Account

 

 

 

 

 

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17. Oktober 2016
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Gesundheitsexplosion

Seit geraumer Zeit sind auch in der österreichischen Medienlandschaft Gesundheitsinformationen an der Tagesordnung. Man hat fast den Eindruck immer und überall. Ja stimmt fast, denn es geht der Begriff „Health in all policies“ in so gut wie allen Bereichen um. Eine zugegeben sehr schwer, weil beamtisch formulierte Definition, wie es in Österreich gemeint ist findet sich auf der Website der GÖG.  Verallgemeinert gesagt, Gesundheit in der Bevölkerung kann nur nachhaltig gefördert werden, wenn es in allen politischen Bereichen gefördert wird.

Alles Gesundheit oder was?
Was zur Folge hat, dass, im Bezug auf Medien, kein Medienproduzent mehr ohne Gesundheitsschiene auskommt und neue Themensendungen sprießen. Agenturen aber auch Privatpersonen machen sich ebenfalls daran die Gunst der Stunde zu nutzen. Ob neue Dienstleistungen in der betrieblichen Gesundheitsvorsorge, der x.te Blog über vegane Ernährung oder, was noch seltener zu finden ist, Patientenblogs, aber auch jeglich erdenkliche Gesundheitsmittelchen und vieles mehr wirbt um unsere Aufmerksamkeit.

Papier ist auch heute noch geduldig …
Schlägt man auch heute noch die sogenannte Regenbogenpresse auf, so stechen die vielen Gesundheitstipps ebenfalls ins Auge. Und die sind besser als alles was im Internet zu Gesundheitsthemen steht? Wohl kaum, nur haben wir oder die die so etwas lesen im Laufe der Jahrzehnte gelernt, nicht alles zu glauben, auch wenn es auf bedrucktem Papier steht. Doch Papier lässt sich oft leichter entsorgen und bleibt dann auch im Papierkorb….

Das Internet ist unendlich …
Beim Internet scheint jedoch noch ein bisschen Nachholbedarf zu sein, vor allem weil Google &Co mit oft sonderbar anmutenden Algorithmen die jeweilige Suchanfrage nach qualifizierter Information durchaus erschweren können. Selbst schon erlebt, denn Recherchen zu z.B. Trendthemen wie Zölliakie oder Impfungen sind aufwendiger und erfordern viel mehr Zeit den ganzen Mist, den Google so anschleppt, auszusortieren. Die vielbeschworene Gesundheitskompetenz scheint digital wohl noch nicht weit verbreitet zu sein.

Quantität vor Qualität?
Der Eindruck entsteht bisweilen, denn woher sollen denn die vielen Artikel, Sendungen etc. stammen, wenn nicht auf dem Fließband produziert. Und wer jemals journalistisch gearbeitet hat, weiß: Recherche braucht Zeit und vor allem auch geschulte Menschen, die sich in einem Fachgebiet auskennen und nicht über alle Themen einfach so schreiben oder Filme produzieren. Dazu ist meiner Meinung nach der Bereich Gesundheit viel zu groß. Niemand kann hier in allen Bereichen nichtmal annähernd Grundlagenwissen besitzen um Fehler zu vermeiden. Und nicht wieder jammern, der Druck sei zu hoch. Für qualitativ hochwertigen Journalismus ist immer Platz und, ja, auch die eigene Arbeitsorganisation hilft ungemein dabei! Und vor allem: Spezialisieren! Was allerdings nicht immer auch von potentiellen Auftraggebern gutiert wird. „Was Sie schreiben nur über diese Themen?, das ist doch egal, das ist doch alles Gesundheit“, habe ich schon gehört. Nein zu sagen ist hier auch ein Qualitätskriterium.

Gesundheitsblogger
Meist sind sie Privatpersonen mit mehr oder weniger journalistischem Hintergrund. Muss ja auch nicht sein.
Hier erlaube ich mir zwei pdfs reinzustellen, die ich für die ÖKZ zu diesem Thema geschrieben habe. Welche Motivationen gibt es ein Blog zu schreiben, wie finanziert man es usw und vor allem wieso sind so wenige Blogger miteinander vernetzt? Gehts nur mehr um Selbstdarstellung und Verkauf im Internet und nicht ums Netzwerken? Durchaus ein Thema für das Mediencamp…

Hier gehts zu den pdfs:
Teil 1 Gut gebloggt, Löwe
Teil 2 Gelesen und vernetzt?

 

Ein Beitrag zum Mediencamp Vienna #mcvie

 

 

Über mich:

Dr. Michaela Endemann

Biologin, Bloggerin – medtermine.at, strategische Kommunikationsbegleiterin – wissit.at, Journalistin für E-Health & Medtech für die ÖKZ (Schaffler Verlag) und Ö1 Radiodoktor