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Gesundheit im Dialog – Zersplitterte Kompetenzen, Spitalslastigkeit und Ineffizienzen – Reformpotentiale an den Schnittstellen des österreichischen Gesundheitssystems

Gesundheit im Dialog/BayerAustria-IV 2011 (Fotocredits: Bayer Austria) (Fotocredits: Bayer Austria)

In guter langjähriger Tradition fand zum vierten Mal „Gesundheit im Dialog „ statt.

Eingeladen wurden:

Prof. Dr. Andreas Wörgötter (OECD)
Gesundheitsminister Alois Stöger
Wiener Stadträtin für Gesundheit und Soziales Maga Sonja Wehsely
Mag. Peter McDonald, Stellvertretender Vorsitzender der Trägerkonferenz im Hauptverband der österreichischen Sozialversicherung
Dr. Johannes Steinhart, Vizepräsident der Wiener Ärztekammer
Thomas Salzer, Geschäftsführender Gesellschafter der Salzer Gruppe.

Organisation: Bayer Austria Ges.m.b.H. und Industriellenvereinigung (IV) , Einleitende Worte von Mag. Christoph Neumayer, Generalsekretär der Industriellenvereinigung und Dr. Martin Hagenlocher, Bayer Austria Ges.m.b.H.

Moderation. Martina Salomon, Kurier

Prof. Wörgötter referierte in seiner Keynote über das österreichische Gesundheitsystem, wie es sich aus Sicht der OECD darstellt. Er stellte die gute Qualität nicht in Abrede, jedoch sei das derzeitge System teuer.
Reformen würden überall durch leere Kassen getriggert, so auch in Österreich. Wobei Österreich dennoch anders sei als andere europäische Länder. Die Steuerung und Finanzierung sei fragmentiert, viele Leistungen nur stationär organisiert und Markt und Wettbewerb habe enge Grenzen. Weiters sei das Gesundheitsystem angebotszentriert.

Der internationale Vergleich (OECD-Studienergebnisse)

  • Der Zusammennhang der Gesundheitsausgaben und der Lebenserwartung ist positiv korreliert, es gibt große Unterschiede zwischen den Ländern – Hier liegt Österreich im Mittelfeld.
  • In Österreich gibt es kein Gatekeeping, Prioritätensetzung ist nicht vorhanden (Bsp Spital – in Österrich kann jeder ins Spital, in anderen Ländern wird abgewogen ob Behandlung durch einen niedergelassenen Arzt möglich/sinnvoll ist) daraus resultiert das Österreich Spitzenreiter im stationäre Behandlungsvolumen ist.
  • Im Mittelfeld ist die Finanzierungstruktur, die sehr fragmentiert ist jedoch auch zentral durch die SV gesteuert („Spitalsbetten füllen ist ´gut für die Kassen“)
  • Die Gesundheitsausgaben sind stark gewachsen
  • Die Gesundheitskosten verhalten sich prozyklisch zur Konjunktur
  • Die Gesundheitsversorgung ist sehr intensiv- es gibt keine Abstufung wer was genau braucht (Bsp. Spitalsbett immer gleich ausgestattet)
  • Eine Hochrechnung hat ergeben dass sich bei derzeitiger Struktur die Kosten bis 2040 verdoppeln würden.
  • In Österreich hat kostenineffizient Prinzip
  • Das Bildungsniveau ist für die Vorsorge ausschlaggebend
  • Die Vorsorge müsste außerhalb eines politischen Rahmens intensiviert werden

Zum Ende des Referates fasste Wörgötter die OECD Empfehlungen zusammen:

  • Einführung von leistungsbezogenen Vergütungsmechanismen zur Steigerung der Produktivität:
  • (dh die erbrachten Leistungen müssen den Ausgaben zuordenbar sein und Leistungserbringer müssen über Kosten informiert sein)
  • Erstellung eines Landesweiten Kapazitätenplans für öffentlich finanzierte stationäre und ambulante Gesundheitseinrichtungen
  • Zahlungsmodalitäten ergebnisorientiert::wenn z.B. Behandelter wieder arbeitsfähig ist soll das auch belohnt werden
  • Integrierte Versorgungsmodelle fördern, die eine bessere Abstimmung von präventiven, ambulanten, stationären, rehabilitativen Gesundheitsleistungen und der Langzeitpflege zulassen
  • Betonung der Bedeutung von gesunder Lebensweise
  • Bessere Kommunikation mittelfristiger finanzpolitischer Perspektiven
  • (red.) Ergänzung aus dem OECD-Bericht: – Definition von nationalen Gesundheits- und Qualitätszielen

In der anschließenden Podiumsdiskussion stellte die Moderatorin folgende Fragen, die meist nur mit kurzén Statements mehr oder weniger beantwortet wurden:
Steht ein Arbeitskampf im AKH bevor?
Wie sieht es mit Nachbehandlungen aus?
Gibt es eine Infrastruktur für entlassene Patienten?
Lebt die Wiener Schule nur noch von ihrem Ruf?
Bedarf es eines zentralen Steuerers, wie ist das mit Transparanz?
Gibt es zu viele Player?
Leistungsplanung?
Vorsorge?
Schaden durch industrielle Nahrungsmittel?
Managecare?, gedeckelte Ausgaben?, Selbstbehalte?
Warum ist ELGA heute noch gar nicht erwähnt worden?
Publikumsfrage zum Thema Hausarzt / Gruppenpraxen und zeitliche Verfügung von Ärzten
Publikumsfrage zu Pflegegeldsystem

Mein Kommentar:
Eine wie immer gelungene Keynote die es diesmal inhaltlich sehr auf den Punkt bringt. Die vielfältigen Fragen, die in der Podiumsdiskussion gestellt wurden, sprengte bei Weitem den Zeitrahmen. Statements und Tiefe der Antworten waren sehr kurz gehalten und bezogen eher nur Allgemeinplätze, meist schon bekannter Art.

 

LINKS

OTS-Presseaussendung zur Veranstaltung (Stellungnahmen der Diskutanten)

Bayer HealthCare Austria

Präsentation Wörgötter

OECD Länderbericht (DE)

OECD Länderbericht (EN)

 

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