Medtermine

Verdrängen statt Vorsorgen?

Das 4. Fachymposium des Netzwekes gegen Darmkrebs e.V. stand am 27.6.2012 unter dem Motto ‚Verdrängen statt Vorsorgen?‘ Einen ganzen Nachmittag lang ging es im The Westin Grand Hotel in München um die Verhaltensmuster des Gesundheitsmuffels und wie man seine Aufmerksamkeit gewinnt. Die Kurzvorträge moderierte Werner Buchberger vom Bayrischen Rundfunk.

Nach einleitenden Worten von  Christa Maar, Präsidentin Netzwerk gegen Darmkrebs e.V. und Vorstand Felix Burda Stiftung, empfahl  Michael Schoeneber, Chirurg, ‚Sport gegen Krebs‘. Studien (u.a. : Chi Pang Wen 2011, The Lancet – Abstract) würden zeigen, dass schon 15 min Sport täglich das Krebsrisiko um 14% senken würden, bei 30 min täglich sogar um 18%. Leider sei dies nicht additiv und ein ‚je länger desto besser‘ hier nicht möglich. Sein Fazit: „Sport ist ein Medikament dass wir selbst herstellen und meist unterdosieren“. Wie man Aktivität messen könne? Mit dem „MET“ – Metabolic activity equivalent.

Anete Carvalho-Garten, Dipl. Musiktherapeutin, NLP, Coach, brachte einen sehr kurzweiligen Vortrag über Motivationstypen und deren zielgerichtete Ansprache. Sie stellte Werner Corells fünf  Motivationstypen vor und erklärte warum Angst machen kontraproduktiv sei.

In der Zwischenmoderation ein pointierter Satz des Moderators: „ Das Gesundheitssystem kommt mir manchmal vor wie ein umgestürzter Wald“.

Simone Widhalm, Medizinerin und Kommunikationsberaterin, stellte ein Eigenforschungsprojekt mit interessanten Einblicken in die Motivation von Männern vor. Sie fand auch heraus, dass der Begriff ‚Männergesundheit‘ nicht definiert ist und auch von Männern nicht als Begriff bekannt ist, im Gegensatz zu ‚Frauengesundheit‘.

Alexander Schachinger stellte die Frage ‚Wie verändern 40 mio E-Patienten das deutsche Gesundheitsystem?“ Es gebe mehr als Apothekenumschau und Co im Internet und Social Media ist noch lange nicht auf der Agenda derjenigen Häuser, Unternehmen und Politik nicht ausreichend dass sie es proaktiv nutzen. Er zitierte Manuel Castell’s Netzwerkgesellschaft. Die Dynamiken bei ePatients passieren außerhalb von Selbshilfegruppen, Krankenkassen usw. Siehe auch: Slideshare-Präsentation „Digitale Innovationen im Healthcare Sektor und ihre Konsequenzen für den Gesundheitsmarkt“.

Anja Berkenfeld, Betriebsärztin ThyssenKrupp AG, referierte über eine Kampagne für Mitarbeiter. Wichtig sei es die Partner im eigenen Unternehmen zu finden und zu fördern und auch den Vorstand als Pate für die Kampagne miteinzubinden. Ebenfalls wichtig, die Unterscheidung der Arbeitsplatzsituation, Newletter bei Büroarbeitsplätzen, direkte Ansprache bei Mitarbeitern in der Produktion. Modernes Management sei auch in der Gesundheitsvorsorge nötig – von der Analyse der Strukturen und Prozesse bis zur Maßnahmenplanung und Evaluation.

Gunther Fay, Inhaber Staberapotheke, stellte sein umgesetzes Präventionsmarketinprojekt für seine Apotheken vor, dass 2010 mit dem Felix-Burda Award für Public Prevention ausgezeichnet wurde.

In den Vorträgen von Gisela Oswald, Bayrisches Staatsministerium f Umwelt und Gesundheit, und  Margret Schrader, GF Krebsgesellschaft NRW e.V. ging es darum Menschen zur Vorsorge zu bewegen. Kontroversieller konnte es gar nicht sein, während  Oswald mit einem Youtube Video und „Social Media“ Kanälen aufwartete und Angst als Motivationsfaktor einsetze, wollte Schrader 1000 mutige Männer zur Vorsorge bewegen, ganz lokal und ganz offline, aber wirkungsvoll und mit zielgruppenorientierter Ansprache sowie mit der Einleitung „ich bin schockiert über das Video“… Der Moderator erkannte die Kontroverse und bat Oswald nochmals aufs Podium. Sie rechtfertigte sich, dass Wahrnehmundpsychologen sagen würden, dass man krass werben müsse um gehört zu werden.  Dem entgegnete Schrader dass diese Art schon seit 20 Jahren nicht mehr wirken würde und sie gerne die Evaluation dieser Kampagne machen würde.

Rudolf Loibl, Unternehmensberater, schloss den Nachmittag mit Empfehlungen, wie man schnell den Alltag vermiest und Patienten verärgert. Ein Umkehrungsvortrag mit Spaßpotential.

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